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Gelehrtenfamilie-Königsberg
History
of stem-cell
Der Pathologe
Der Hämatologe
II. Entzündungslehre
 
Als im 19. Jahrhundert in Europa der Aderlass noch weit verbreitet war, verfocht Neumann als einer der ersten Pathologen die These, dass die Entzündung primär einen Heilungsprozess zum Schutze des Organismus darstellt. Die Entzündung wurde unterteilt in einen entzündlichen Prozess, ausgehend von der „laesio continui“ oder Mikronekrose, und einem regeneratorischen Prozeß.  In der regeneratorischen Abheilungsphase  spielt die Bindegewebsbildung  eine überragende Rolle. Neumann gab den Fibroblasten ihren Namen und schilderte ihr Verhalten bei entzündlichen Prozessen. . Im Jahre 1896 prägte er die Bezeichnung „fibrinoide Degenration“, später auch „fibrinoide Nekrose“ für eine  Entzündungsreaktion an serösen Häuten im Unterschied zur „fibrinösen Exsudation“ (Neumann, 1896).
Abb. aus Neumann, E.:  Fibrinoide Degeneration und fibrinöse Exsudation
Gegenbemerkung zu Marchands Erwiderung. Virchows Archiv 146 (1896) S. 193 – 209.
 
III. Degeneration und Regeneration von Muskeln und Nerven.
 
Abb. Degeneration und Regeneration von Nerven nach Quetschung-Durchtrennung
 
 
Die nach Neumann bezeichneten Muskelknospen stellen eine Regenerationsform quergestreiften Muskelgewebes dar. Dabei spielt das regenerative Ausstülpen des Regenerationsepithels (Bindegewebe) eine entscheidende Rolle.
 
Hinsichtlich der Studien über Nervendegeneration und –Regeneration führte Neumann bereits Nerventransplantationen im Tierversuch durch. Dabei wertete er die Schwann´schen Zellen sehr hoch ein, indem sie an der Regeneration eines durchtrennten Nerven einen maßgeblichen Anteil haben (Schwann´sche Neuroblasten- oder Zellkettentheorie). Das „Neumann´sche Nervenentwicklungsgesetz“  beinhaltet die Beziehung der motorischen Nervenbahnen in zeitlicher Abhängigkeit zur Anlage des Hirns beim Embryo.
 
Abb.: Neumann, E.: Degeneration und Regeneration zerquetschter Nerven. Aarch. f. mikrosk. anat.  XVIII (1880) S. 302 - 347. Weiterer Aufsatz zum Thema: Neumann, E.: Einige Versuche über Nerventransplantationen, Arch. für Entwicklungsmechanik 6 H.4 (1898) S.326-236;  Neumann, E.: Berichtigung in Sachen der fibrinoiden Degeneration. Virchows Archiv 160 (1900) S. 173 - 178
 
 
IV Neumann´scher Tumor . Erstbeschreibung der Congenitalen Epulis ( Lit: Ein Fall von congenitaler Epulis. Archiv der Heilkunde  (Wagners Archiv der Heilkunde), XII (1871), S. 189—190
 
V. Sertoli Zellen. Zeitgleich zu Sertoli beschrieb Neumann 1868 die mancherorts bezeichneten Sertoli-Neumann- Zellen als wichtige Zellen innerhalb der Spermiogenese.
Lit.: Neumann, E.: Entwicklung der Samenfäden beim Frosch.
 
VI. Zahnheilkunde:
 
Die Neumann´schen Zahnscheiden sind eigenständige Wandungen der Zahnkanälchen, die besonders widerstandsfähig gegenüber chemischen Substanzen sind und in denen sich die Tome´schen Zahnfasern befinden. Die Zahnkaries stellt  einen aktiven Prozess des lebenden Zahns infolge eines äußeren Einflusses mit entzündlicher Schwellung der Zahnfasern dar unter Verbreiterung der Zahnscheiden und damit Verengung der Zahnkanälchen.


Abb. Neumann, E.: Beiträge zur Kenntnis des normalen Zahnbein- und Knochengewebes. Vogel Leipzig 1863 (Monographie)
Literatur zu
Ernst Neumann
Zur Person

E.Neumann-Award
Zahnheilkunde
Neumann_E.R.
Geschichte
Hämatologe
II. Entzündungslehre
 
Als im 19. Jahrhundert in Europa der Aderlass noch weit verbreitet war, verfocht Neumann als einer der ersten Pathologen die These, dass die Entzündung primär einen Heilungsprozess zum Schutze des Organismus darstellt. Die Entzündung wurde unterteilt in einen entzündlichen Prozess, ausgehend von der „laesio continui“ oder Mikronekrose, und einem regeneratorischen Prozeß.  In der regeneratorischen Abheilungsphase  spielt die Bindegewebsbildung  eine überragende Rolle. Neumann gab den Fibroblasten ihren Namen und schilderte ihr Verhalten bei entzündlichen Prozessen. . Im Jahre 1896 prägte er die Bezeichnung „fibrinoide Degenration“, später auch „fibrinoide Nekrose“ für eine  Entzündungsreaktion an serösen Häuten im Unterschied zur „fibrinösen Exsudation“ (Neumann, 1896).
Abb. aus Neumann, E.:  Fibrinoide Degeneration und fibrinöse Exsudation
Gegenbemerkung zu Marchands Erwiderung. Virchows Archiv 146 (1896) S. 193 – 209.
 
III. Degeneration und Regeneration von Muskeln und Nerven.
 
Abb. Degeneration und Regeneration von Nerven nach Quetschung-Durchtrennung
 
 
Die nach Neumann bezeichneten Muskelknospen stellen eine Regenerationsform quergestreiften Muskelgewebes dar. Dabei spielt das regenerative Ausstülpen des Regenerationsepithels (Bindegewebe) eine entscheidende Rolle.
 
Hinsichtlich der Studien über Nervendegeneration und –Regeneration führte Neumann bereits Nerventransplantationen im Tierversuch durch. Dabei wertete er die Schwann´schen Zellen sehr hoch ein, indem sie an der Regeneration eines durchtrennten Nerven einen maßgeblichen Anteil haben (Schwann´sche Neuroblasten- oder Zellkettentheorie). Das „Neumann´sche Nervenentwicklungsgesetz“  beinhaltet die Beziehung der motorischen Nervenbahnen in zeitlicher Abhängigkeit zur Anlage des Hirns beim Embryo.
 
Abb.: Neumann, E.: Degeneration und Regeneration zerquetschter Nerven. Aarch. f. mikrosk. anat.  XVIII (1880) S. 302 - 347. Weiterer Aufsatz zum Thema: Neumann, E.: Einige Versuche über Nerventransplantationen, Arch. für Entwicklungsmechanik 6 H.4 (1898) S.326-236;  Neumann, E.: Berichtigung in Sachen der fibrinoiden Degeneration. Virchows Archiv 160 (1900) S. 173 - 178
 
 
IV Neumann´scher Tumor . Erstbeschreibung der Congenitalen Epulis ( Lit: Ein Fall von congenitaler Epulis. Archiv der Heilkunde  (Wagners Archiv der Heilkunde), XII (1871), S. 189—190
 
V. Sertoli Zellen. Zeitgleich zu Sertoli beschrieb Neumann 1868 die mancherorts bezeichneten Sertoli-Neumann- Zellen als wichtige Zellen innerhalb der Spermiogenese.
Lit.: Neumann, E.: Entwicklung der Samenfäden beim Frosch.
 
VI. Zahnheilkunde:
 
Die Neumann´schen Zahnscheiden sind eigenständige Wandungen der Zahnkanälchen, die besonders widerstandsfähig gegenüber chemischen Substanzen sind und in denen sich die Tome´schen Zahnfasern befinden. Die Zahnkaries stellt  einen aktiven Prozess des lebenden Zahns infolge eines äußeren Einflusses mit entzündlicher Schwellung der Zahnfasern dar unter Verbreiterung der Zahnscheiden und damit Verengung der Zahnkanälchen.


Abb. Neumann, E.: Beiträge zur Kenntnis des normalen Zahnbein- und Knochengewebes. Vogel Leipzig 1863 (Monographie)
enw_blutstammzelle1
Abb. Histologische Studien zur Blutstammzellfrage im Knochenmark und hier beispielhaft  an der embryonalen Leber 1914 - Erklärung s.u.
The beginning of Stem Cell  research can be dated back to Ernst Neumann, who was appointed professor of pathology at Koenigsberg in 1866 and described in a preliminary communication [5], the presence of nucleated red blood cells in bone marrow (BM) saps. He concluded in his subsequent papers, that during postembryonic life, erythropoiesis and leukopoiesis are taking place in the BM. On the basis of his observation, Ernst Neumann was the first to postulate the BM as blood forming organ with a common SC for all hematopoietic cells.
 
Zech,N.H., Shkumatov,A. Koestenbauer,S.: Die magic behind stem cells. Journal of Assisted Reproduction and Genetics Vo. 24, Nr. 6 (2007) 208 - 214
Ernst Christian Neumann (1834 – 1918) entdeckte im Jahre 1868 an der Albertus - Universität in Königsberg/ Pr. (heute Kaliningrad, Russland) die blutbildende Funktion des Knochenmarks und begründete damit die moderne Hämatologie des 19. Jahrhunderts. Mit dem Auffinden von Ursprungszellen, die er 1868/69 noch „lymphoide Markzellen“ nannte, und ihre Einordnung in die Zellreihe der  Erythrozytopoese und ab 1878 auch die der Leukozytopoese, gilt Neumann bes. im anglo-amerikanischen Raum als der Begründer der heutigen sog. modernen Hämatologie ab dem 19. Jahrhundert.
Für seine Vorstellung, dass alle Blutzellen auch postembryonal aus einer später benannten "Stammzelle"  abstammen, empfahl er 1912 die Anlage einer
Stammzellkultur, „welche Robert Koch mit den Bakterien auszuführen lehrte“.  Die historische Aufarbeitung des umfassenden Werkes dieses „Virchow des Ostens“, wie er bezeichnet wurde, ging zunächst von seinen Schülern Max Askanazy und R. Beneke aus, gefolgt von den Amerikanern G. Rosenow, M. Wintrobe und M. Tavassoli. Die wichtigste Literatur ist unten aufgeführt. Einen Gesamtüberblick erhalten Sie auch über die englischsprachige Homepage: www.ernst-neumann-koenigsberg.de
 
Der Unitarismus (pluripotente postembryonale Stammzelle für alle Blutzellreihen) stammt aus dem Pathologischen Institut in Königsberg. Auf wiederholte Anfrage, z.B. 2007 von dem Stem Cell Biology Program University of California San Francisco, bringe ich nachfolgend Auszüge aus Neumanns Schriften zur Blutstammzelle.
 
Als Beleg gebe ich die Seitenzahl (BP) aus Neumanns im Jahre 1917 herausgegebenen Buch an, das alle Originalausgaben ab 1855 – 1917 enthält, ggf. mit extra bezeichneten Zusätzen: Neumann, E.: Blut und Pigmente, Gesammelte Abhandlungen mit Zusätzen, Fischer,G. Jena 1917.
 
Zum leichteren Verständnis sei hier angemerkt, dass die heute bezeichnete "Blutstammzelle" von 1868 bis 1912 viele andere Namen durchlief, z.B. Lymhoide Markzelle, Lymphkörperchen, lympkörperartige Zelle, Lymphozyt, großer Lymphozyt, Lymphomyeloblast bis zur "großlymphozytären Stammzelle" (1912). Mit allen Benennungen war niemals der perifere Lymphozyt gemeint (vergl. hierzu Neumanns Äußerung fettgedruckt s.u. 1896)  .
 
1868/1869
 
Neumann bezeichnet demnach 1868/1869 die Ursprungszelle (die spätere „großlymphozytäre Stammzelle“ 1912) der
roten Blutkörperchen als „Lymphkörperartige Zelle", Lymphkörperchen“, und als „Lymphoide Markzelle“ (Blut und Pigmente, künftig BP, S.33).
 
Beleg: „Es wird der Schluß gerechtfertigt sein, daß in den Knochen während des ganzen Lebens eine fortdauernde Umwandlung lymphköperartiger Zellen in farbige Blutzellen stattfindet“ (1869, BP.S. 19).

 
Abb. Mit freundlicher Genehmigung von Katalin Vehmeyer für alle 3 Bilder (Lit s.u.).
 
Aber der chronologischen Reihe nach:
Ernst Neumann beschrieb im Verein für wissenschaftliche Heilkunde vom 13.10.1868 Berliner Klinische Wochenschrift Jg.5, Nr.49 (1868), S. 505-06 erstmals die blutbildende Funktion des Knochenmarks wie folgt: Während der ganzen
Lebensdauer finden sich Übergangsformen zwischen farblosen lymphkörperartigen und farbigen Zellen im Knochenmark, "das ich als die eigentnliche Blutbildungsstätte bezeichnen möchte". "Es findet eine fortdauernde Einfuhr von ("lymphkörperähnlichen") Markzellen ("aus dem rothen Knochenmark") in das Blut statt. Diese eingewanderten Zellen wandeln sich in diesen Gefäßen des Markes in farbige Zellen um. Diese Metamorphose vollzieht sich noch innerhalb der Knochen, da in dem Knochen-Venenblute in der Regel nur fertige Blutzellen angetroffen werden" (Auszug aus dem Referat zum Vortrag, Lit. 1868). Und 1870 berichtete Neumann in einem weiteren Vortrag: Die seinerzeit bereits von Albert Kölliker erwähnte embryonale Blutbildung in der embryonalen Leber existiert in der Tat, aber parallel dazu auch in der embryonalen Milz. Postembryonal wird die Blutbildung der beiden genannten Organe von der "lymphoiden Markzelle" des roten Knochenmarks übernommen (Der Vortrag vor dem Verein für Wissenschaftliche Heilkunde fand am  20.12.1870 statt, siehe:  Berliner Medizinische Wochenschrift Nr.5 (1871) S.58 - 59. Seit diesen Vorträgen und der die Entdeckung begründenden Veröffentlichungen1868 und 1869 gilt Ernst Neumann auch als der Erstbeschreiber der Knochenmarkstammzelle (Zech- siehe Lit.-Seite von Ernst Neumann).
 
Diese „Lympoide Markzelle“ bildet nicht nur die Erythrozytopoese, sondern sie ist auch zur
Selbstregeneration in sich fähig. Beweis: Aus der Arbeit 1869, BP. Seite 30 - 34. Auszug:
 
Somit werden wir auch Recht haben, aus den erheblichen Größenverschiedenheiten der lymphkörperartigen Markzellen zu vermuten, daß das Markgewebe kein stationäres Gewebe ist, sondern daß in ihm ein reges, mit beständiger Vermehrung der Elemente verbundenes Zellenleben, eine permanente Fluktuation stattfindet.“ (BP S. 30).
„Wenn wir nach diesen Erörterungen demnach berechtigt sind, anzunehmen, daß in dem Knochenmark nicht nur während des Wachstums des Körpers, sondern auch im reifen Alter eine Wucherung der zelligen Elemente fortdauert, so bleibt mir  nur noch übrig, die oben hieraus abgeleitete Schlussfolgerung, daß die wuchernden Zellen durch ihren Eintritt in die Blutgefäße einen Ausweg aus dem Knochen finden müssen, um nicht in kurzer Zeit eine Aufhebung der Zirkulation im Innern des Knochens zu bewirken…“(BP S. 33).
 
Vorgriff auf 1896 und 1912: Hier spricht Neumann nochmals die heute bezeichnete
feeder-cell-funktion im Mark an:
 
„Das Anfangsglied der Reihe, die "Lymphozyten" (vorübergehende Bezeichnung der späteren „großlymphozytären Stammzelle“, siehe Erläuterung, BP. S. 245), erfreut sich eines ständigen periodischen Nachwuchses, der die beschriebene Metamorphose von Neuem durchzumachen imstande ist“ (BP. S. 252). „Was die Beschaffenheit der in Mitose befindlichen Zellen betrifft, so übertrafen dieselben stets die kleineren Lymphozyten beträchtlich an Größe, entsprechend der Darstellung von H.F. Müller, nach welchen die kleinen einkernigen Leukozyten von „größeren teilungsreifen ruhenden Zellen“ abstammen“ (BP.S.252 oder Archiv der Heilkunde Bd. 143,1896). In welcher Weise sich diese Stammzelle immer wieder ergänzt, ob ausschließlich durch mitotische Teilung oder auch aus anderen Zelle,  insbesondere aus fixen Zellen der mesenchymatösen Gebilde, kann hier unerörtert bleiben“ (1912, BP. S. 313).
 

 
1878
:
Doppelte physiologische Funktion des Knochenmarks, auch Leukozytopoese im Knochenmark BP S. 43:
 
Neumann formulierte 1869 für diese Weiterentwicklung innerhalb der Zellreihe der Erythropoese den Begriff „Umwandlung“. Dieser Ausdruck wurde in der Literatur so ausgelegt, als ließe Neumann die aus der Peripherie durch das Knochenmark kreisenden farblosen Blutkörperchen sich umwandeln. Schon Neumann selbst setzte sich gegen diese Auffassung 1878 entschieden zur Wehr (N71, 1878)“ Hier heißt es:
„Insbesondere dürfte es zweifelhaft sein, ob die bereits im Blute zirkulierenden farblosen Blutkörperchen zur Umwandlung (im Knochenmark, Verf.) bestimmt sind.“ (vergl. BP.S. 126/127) „Dem Marke kommt vielleicht die doppelte physiologische Funktion zu, einerseits farblose Zellen dem Blute zuzuführen, andererseits farblose in farbige umzubilden..".   (Berliner Klin.Wochenschrift 1878, oder BP. S. 146)
 
Damit gilt, dass Neumann auch die Leukozytopoese im Knochenmark ab dem Jahre 1878 angenommen hat. Für die Ursprungszelle verwandte er 1878 noch den Namen „Lymphkörperchen“ bzw. "lymphoide Markzelle".  BP. u.a. S.142
 
 
In den 80-iger Jahren schwankte Neumann, ob nicht doch „Mutterzellen“ aus der damals stark diskutierten „endogenen Blutzellbildung“ möglich sei.
 
 
1890 kehrte er, nach der Beobachtung Bizzozeros von Teilungsphänomenen an Knochenmarkzellen, zur seiner früheren Meinung zurück. (Neumann, E.: Die Entwicklung roter Blutkörperchen  im neu gebildeten Knochenmark, Virchow Archiv 119 (1890)S. 385 – 398.)  Diese Arbeit ist für Neumann der Ausgangspunkt zu seinem
unitarischen Standpunkt von der Blutbildung im Knochenmark. Er hat in verschiedenen sekundär verknöcherten Geweben, wie dem Kehlkopfknorpel, rotes Knochenmark gefunden. Während Bizzozero die Abstammung von roten Blutkörperchen aus farblosen Erythroblasten ablehnte, konterte Neumann:
 
„Ich habe meinerseits, gegen die Annahme der einfachen von der Geburt bis ins hohe Alter sich kontinuierlich fortsetzende Proliferation  als e i n z i g e r Quelle der im Knochenmark sich stets neubildenden Zellen, die bisher wenig beachtete Tatsache geltend zu machen, dass sich auch postembryonal, unabhängig von dem schon bestehenden Mark, unter verschiedenen, teils physiologischen, teil pathologischen Verhältnissen, jederzeit neues Mark mit zahlreichen kernhaltigen roten Blutkörperchen bilden kann.“(BP. S. 204) „Wir müssen die Möglichkeit ihrer Entstehung aus den Gewebselementen des Markes selbst statuieren“ (Lit .Neumann N87, 1890 s.o., BP, S. 207 ). Die pluripotente Ursprungszelle aller Blutzellreihen nannte er 1890 wieder wie 1869 „lymphoide Markzelle“.
 
In dieser Arbeit ist übrigens auch sein Gesetz der zentripetalen Entwicklungsrichtung der Fettmarksubstitution…beschrieben. Von Bedeutung scheint mir auch der stark verkürzte Satz mit dem Hinweis auf die Herkunft der Lymphoiden Markszelle, nämlich aus Protoplasma der Gefäßwandungen: „…. daß die Bildung derselben (Lymphoide Markzelle als Bildungszelle roter Blutkörperchen) von dem Protoplasma der Gefäßwandungen ausgeht, wofür einige, an embryonalen Organen gemachte Wahrnehmungen sprechen“(Lit. Hinweis auf E. Klein, E. Neumann 1874, und Wissotzky) (BP. S. 208).
 
Sechs Jahre später (1896) startet Neumann seine bahnbrechenden Arbeiten Hämatologische Studien I (1896), II (1903) und III (1912).
 

1896: „Alle Schwierigkeiten  fallen fort, wenn wir vor dem Gedanken nicht zurückschrecken, daß die aus dem lymphoiden Mark in die (Knochenmark-)Gefäße einwandernden Zellen selbst es sind, aus welchen die farbigen Zellen sich bilden“ (1896, BP. S. 243). „Ich werde diese Elemente (ehemalige „lympoide Markzelle“ Neumannns, „Leukoblasten“ Löwits „einkernige Leukozyten“ H.F.Müllers –Anmerkung des Autors dieser Zeilen) der Kürze halber als Lymphocyten bezeichnen, da sie mit den diesen Namen führenden Zellen des Menschen- und Tierblutes jedenfalls sehr nahe verwandt sind und da diese Bezeichnung ja längst aufgehört hat, ,lediglich für die Zellen des Lymphdrüsenparenchyms oder für Zellen, deren Ursprung man auf dasselbe zurückgeführt, in Anspruch genommen zu werden.“ (BP.S. 245)  „Hayems Spindelzellen“, 1896, BP, S. 245 (Die Bezeichnung Spindelzellen stammt eigentlich von Golubew, s.u.) -   hielt Neumann für Übergangsformen  von der Stammzelle auf dem Weg hin zu den Erythroblasten).
 

1903
: Die Variabilität der Leukozyten… Auch hier benennt Neumann die Ursprungszellen aller Zellreihen (dualistischer Standpunkt) noch als "Großen Lymphozyten". Neumann selbst merkt 1903, dass die Bezeichnung für seine zuerst beschriebene Ursprungszelle im Vergleich zum periferen kleinen Lymphozyten mit dem gleichen Namen „Lymphozyten“ ungünstig ist.  Maximow, ein Unitarier wie Neumann, übernimmt Neumanns "Großen Lymphozyten"  als Ursprungszelle aller Blutzellreihen und erwähnt zudem im Jahre 1909 das Wort Stammzelle.  Maximow, A.: Der Lymphozyt als gemeinsame Stammzelle der verschiedenen Blutelemente in der embryonalen Entwicklung und im postfetalen Leben der Säugetiere. Folia Haematol. 8 (1909) 125-134    
 
H. Neumann und Y. Klinger analysieren diese Fragen ausführlich in ihrem Buch: Knochenmark und Stammzelle – Der Kampf um die Grundlagen der Hämatologie Blackwell Wissenschaft, Ex libris Roche Bd. 1  1994
 
Neumann untersuchte stets ungefärbte Präparate frisch ausgepressten Marksaftes. Daher konnte er die Hämoglobinaufnahme zum kernhaltigen Erythroblasten direkt ohne Fixierung und chemische Veränderung durch Färbung beobachten. Ein Hinweis nicht zur Stammzellfrage, sondern zu den periferen kleinen Lymphozyten: Neumann beschrieb an ungefärbten frischen Präparaten auch die Fähigkeit der Emigration von periferen kleinen Lymphozyten in der Peripherie an den Herd der Entzündung, ein Tatbestand, der von Paul Ehrlich strikt abgelehnt wurde.

1911
Spindelzellen des Amphibienblutes. Hier handelt es sich um die Beurteilung der „Zwischenstufen“ vom Abkömmling des „großen Lymphozyten“ (Maximow, Neumann) bzw. der erst ab 1912 bezeichneten „großlymphozytären Stammzelle“. 1911 sieht also die Reihe so aus: Großer Lymphozyt (Neumann, Maximow), durch Teilung zu  Übergangsformen zu „Spindelzellen“ Golubews (bereits wohl 1868 so von ihm benannt; das sind die späteren "Hayem´schen Hämatoblasten") bis zum hämoglobinhaltigen noch kernhalten Erythroblasten.  Denn es heißt hier wörtlich: "Das Resultat meiner Untersuchungen lässt sich dahingehend zusammenfassen, dass die Spindelzellen eine Zwischenstufe zwischen den kleinen lymphozytären farblosen Zellen  und den roten Blutkörperchen darstellen.“ BP.S.281

Eine Festlegung auf einen Namen der Urspungszelle ( großer Lymphozyt, BP S.314, für alle Zellreihen, Lymphomyeloblast bzw. Lympholeukoblast für die Leuko- und Lymphozytopoese im Knochenmark, BP. S.314, 319) meidet Neumann vielfach aus Unsicherheit der sich abzeichnenden Entwicklungen. Für 1911 gilt immer noch die Bezeichnung des "großen Lymphozyten" (B.P. S.293) für alle Blutzellreichen.
 

 
 
Abb. Zytologische Studien an der embryonalen Leber 1914 - Erklärung s.u.
 
GrLk = großer Lymphozyt-Kern ( Blutstammzelle in der embryonalen Leber)
Erblk = Erythroblastenkerne
Lk     = Leberzellkerne
1912: "großlymphozytäre Stammzelle" im Knochenmark (Neumann) vergl. Text

 
1912
: Neumann nennt nun die Ursprungszelle aller Blutzellreichen im Knochenmark (unitarischer Standpunkt)  nun nicht mehr „Lymphozyt“,  „großer Lymphozyt“ oder „Lymphomyeloblast“, sondern er greift die Anregung  Ernst Haeckels und Maximows (s.o. "Der Lymphozyt als gemeinsame Stammzelle..." 1909) auf, für Ursprungszellen den Begriff  "Stamm" zu übernehmen.  Hier geht Neumann folgerichtig einen Schritt weiter und schreibt 1912:
 
„Die in dem Blute, der Lymphe und den Blutbildungsorganen vorkommenden verschiedenen Formen farbloser Blutzellen … hängen vielmehr wahrscheinlich sämtlich durch die gemeinsame, auch im postembryonalen Leben stets vorkommende, großlymphozytäre Stammzelle
untereinander zusammen“ (BP. S. 313).
 
"In welcher Weise sich diese Stammzelle immer wieder ergänzt, ob ausschließlich durch Teilung oder auch aus anderen Zellen insbesondere aus fixen Zellen der mesenchymatösen Gebilde, kann hier unerörtert bleiben. Es sei nur angemerkt, dass letztere Ansicht durch die embryologischen Untersuchungen von Maximow (Archiv für mikroskopische Anatomie Bd. 73, 1909 (BP S. 313) und Dantschakoff (1910) eine wichtige Unterstützung gefunden hat“ ( Häm. Studien III, 1912 BP S. 313). Weitere Literatur zu dem Thema: Weidenreich (1911, 1912), W. Schultze (1906, 1909), Venslaff (1911), Maximow (1909) und Mewes (1910) findet sich in "Blut und Pigmente" (Neumann)  auf den Seiten um S.313 aufgeführt und mag hier weiteren Aufschluss geben.
 
Ein Wort zu Alexander Maximov (1874 – 1928): Er kam ursprünglich aus St. Petersburg.und gilt  als einer der namhaftesten Verfechter des unitarischen Standpunktes der Zellentwicklung nach Ernst Neumann und Artur Pappenheim.  Theodor Boveri (1862 – 1915) benutzte 1892 erstmals die Bezeichnung „Stammzelle".  1909 übernahm  
A. Maximow diese Benennung auch für die Blutstammzelle und löste damit die bis dahin gängige Bezeichnung „Großer Lymphozyt (E. Neumann und A. Maximow) ab. E. Neumann spezifizierte die Bezeichnung 1912 als "großlymphozytäre Stammzelle" s.o.!

 
Bekanntlich entbrannte ein
Streit zwischen Dualisten und Unitariern über die Stammzellfrage. Neumanns Weitsicht forderte für die Beendigung des Streits eine Stammzell-Kultur:
 
„Vielleicht wird eine endgültige Entscheidung erst dann möglich sein, wenn es gelungen sein wird, mit den farblosen Blutzellen dasselbe Experiment anzustellen, welches Robert Koch mit den Bakterien auszuführen lehrte., nämlich, die einzelnen Zellen zu isolieren und ihre Lebensvorgänge längere Zeit hindurch in vitro zu verfolgen. (N118, 1912, BP. S. 299)
 
Diese Passage verdiente große Erwähnung im dem Buch von H. Neumann und Klinger. Und Katelin Vehmeyer hat in einzigartiger Weise diese hochkomplexen Vorgänge humorvoll dargestellt. Hier ein Auszug: "
Bei der in vitro Untersuchung werden die Stammzellen in einem dickflüssigen Nährboden einzeln verankert...Die Zellen werden je nachdem, welches Differenzierungspotential untersucht werden soll, mit ausgesuchten Zytokinkombinationen stimuliert. Die Zytokine rufen dann einen Teil des Differenzierungsprogramms ab, das im genetischen Material der Zelle verborgen ist" (Katelin Vehmeyer, Lit s.u.) .
 
Die
Abstammung der Stammzelle sollte, wie bereits 1969 (s.o). beschrieben, aus mesenchymalen Zellen erfolgen. In der späteren Streitfrage, ob Neumann nicht doch in einer Arbeit zur embryonalen Leber 1914 die Stammzellen "wahrscheinlich von fixen Zellen des Reticulum abstammen" abstammen ließ, wurde von seinem Schüler Askanazy eindeutig entschieden: "Neumann legte an Fröschen dar, dass diese Stammzellen, die "Lymphozyten" in weiteren Sinne des Wortes, also den ungefärbten Parenchymzellen des Blutbildungsgewebes zuzurechnen sind. Von dem Endothel oder den Retikumzellen ist also nicht die Rede." (M. Askanazy, 1935, S. S. 369 unten)
 
 
1914
Neuer Beitrag zur Kenntnis der embryonalen Leber. Diese Arbeit bestätigt mit Abbildungen Neumanns oben bis 1912 dargestellten Hinweise zur Stammzellfrage anhand von Präparaten der embryonalen Leber von Fröschen.
 
Literatur:
 
Askanazy, M.: Ernst Neumann. Zbl. f. Allg. Path. u. Path. Anat. 29 (1918) S. 409 -421  

Askanazy, M.: Ernst Neumann, Verh. dt. Path.Ges. 28 (1935) S. 363-372

Tavassoli, M.; Yoffey,J.M. : Bone Marrow; Structure and Function. Alan R.Liss, Inc.,  1983 New York
 
Wintrobe, M. : Hematology, the Blossoming of a Science; a Story of Inspiration and Effort. Lea & Febiger Philadelphia 1985
Neumann, E. Blut und Pigmente. Jena Gustav Fischer 1917
 
Schinck, Peter: Ernst Neumann als Begründer der Hämatologie, Dissertation  am Pathologischen
Institut in Königsberg (Prof. Kaiserling) 1920
 
Maximow, A.: Der Lymphozyt als gemeinsame Stammzelle der verschiedenen Blutelemente in der embryonalen Entwicklung und im foetalen Leben der Säugetiere
. Originally in: Folia Haematologica 8.1909, 125-134.  Published in: Cell Ther Transplant. 2009, 1:e.000040.01.doi: 10.3205/ctt-2008-en-000040.01
 
Neumann-Redlin von Meding, E.: Der Pathologe Ernst Neumann (1834 -1918) und sein Beitrag zur Begründung der Hämatologie im 19.Jahrhundert, Demeter Verlag 1987
 
Klinger, Y. Über die Entdeckung der hämatopoetischen Funktion des Knochenmarks und das Postulat der Stammzelle. Dissertation aus der Medizinischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum 1992
 
H. Neumann, H., Klinger, Y.: Knochenmark und Stammzelle – Der Kampf um die Grundlagen der Hämatologie Blackwell Wissenschaft, Ex libris Roche Bd. 1, 1994
 
Neumann-Redlin von Meding, E: Ernst Chr. Neumann (1834-1918); Die Beschreibung der funktionellen Morphologie des Knochenmarks am Pathologischen Institut Königsberg und dessen Einfluß auf die Hämatologie des 19.Jahrhunderts. in: Jahrbuch der Albertus Univ. Königsberg Bd.29 (1994) 425-437) und Hrsg. Rauchning,D. et al: Die Albertus Universität zu Königsberg und ihre Professoren. Duncker u. Humblot Berlin 1995
 
Vehmeyer, K.: Heitere Hämatologie. BE Medien in der Medizin, Universität 37073 Göttingen, Humboldtallee 32,
Copyright 2000
 
Zech,N.H., Shkumatov,A. Koestenbauer,S.: Die magic behind stem cells. Journal of Assisted Reproduction and Genetics Vo. 24, Nr. 6 (2007) 208 - 214  Abstract This review article summarizes historical development of stem cell research, presents current knowledge on the plasticity potential of both embryonic and adult stem cells and discusses on the future of stem cell based therapies.Keywords Embryonic stem cells . Adult stem cells. Therapy . Plasticity Introduction
G18_Stammzell_im_KM_1869
G18__2Stammzell_Kultur_Vehmeyer
Mit lieben Grüßen von der Stammzelle. Vehmeyer Lit.u.
en_stem2
G18__1Stammzell_Kultur_Vehmeyer
Pathologisches Institut Königsberg